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Trash Animated 10 - James Bond Jr.

Trash Animated - Teil 10


Unser James Bond-Monat ist ja schon eine Weile her, allerdings haben wir hier noch einen Nachzügler, welchen ich nun endlich (nach einer gefühlten Ewigkeit) vollenden konnte.


In einer vorherigen Ausgabe hatten wir ja bereits mit der Serie Dino-Riders das Thema „Zeichentrickserien, die aus Spielzeugreihen entstehen“ angesprochen.  Doch dies ist natürlich bei weitem nicht der einzige Quell der Inspiration, welchen findige Zeichentrickmogule in der Vergangenheit für sich entdeckt haben.
Manche (mehr oder minder) erfolgreiche Filme oder auch Filmreihen bringen es mit sich, dass selbige clevere Köpfe auf die Idee kommen, das Potential, welches die Filme in sich bergen, auch für jüngere Generationen und in animierter Form zu nutzen.
Da hätten wir zum Beispiel Police Academy, Angriff der Killertomaten oder Robocop, welches allesamt Eier sind, die von mehr oder minder erfolgreiche Realfilm-Hühnern  gelegt wurden.
Zu dieser Sparte von faulen Eiern gehört auch James Bond Jr.


Generell ist der Gedanke, dass irgendwo in der Weltgeschichte kleine Mini-Bonds durch die Gegend laufen ja gar nicht mal so abwegig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Mr. Bond in seiner langen Agentenkarriere ja schon dutzende Frauen flachlegen ...ähm, Entschuldigung, das war respektlos, ich meinte natürlich durchbimsen!... durfte.
Allerdings handelt es sich bei dem Hauptdarsteller dieses Zeichentrickmachwerks nicht um den legitimen Filius des Agenten ihrer Majestät, sondern um seinen Neffen, was dem Ganzen von Anfang an nicht nur jegliche Coolheit nimmt, sondern auch den Machern vorgaukelt, aus Bond (und sei es nur Jr.) legitim einen Amerikaner machen zu dürfen.
Wir wollen den
Bevor wir aber auf die Grausamkeiten der Serie zu sprechen kommen, zunächst ein wenig über den Inhalt und die Protagonisten von James Bond Jr.


Story

Der 17-jährige James Bond Jr. studiert an der Warfield Academy, einer Schule für die Söhne, Töchter, etc. berühmter Menschen. Auf dieser Schule wird Jr. auf sein zukünftiges Leben als Supernervensäge....agent vorbereitet. Würde die Storybeschreibung hier enden, hätten wir vermutlich eine kitschige Highschool-Serie vor Augen, aber Gott-sei-Dank ist der schulische Alltag nur ein Bruchteil dessen, was James Jr. so erleben darf. Die fiese Organisation S.C.U.M. macht ihm nämlich das Leben schwer, weswegen er - ganz wie sein Onkel - quer durch die Welt reisen muss, um ihre bösen Machenschaften zu verhindern. Dies führt James daher von einem Abenteuer in das nächste.


Die Guten

James Bond Jr.
James Bond Jr.
Der Held der Serie ist der Neffe von James Bond und somit der Sohn von 007s Schwester. Da er im Gegensatz zum Spion ihrer Majestät kein Brite, sondern prolliger Amerikaner ist, verhält er sich dementsprechend auch während der Serie ab und an mal ein wenig wie ein typischer Ami-Teen.


Gordo Leiter
Gordo Leiter
Gordo ist einer von James Schulkameraden und wie der Name schon vermuten lässt, der Sohn von Felix Leiter, dem CIA-Agenten, der auch schon einige Male mit James Onkel zusammenarbeiten konnte. Er ist der typische California-Boy mit mehr Muckis als Verstand.

Horace “IQ” Boothroyd
Horace “IQ” Boothroyd
Wie kann e sanders sein, handelt es sich hierbei um den Enkel von Q, dem wunderbaren Tüftler des MI6, der Bond so manches lustige Gadget gebastelt hat. Auch IQ muss dies natürlich tun, was allerdings nicht immer einwandfrei funktioniert.



Tracy Milbanks
Tracy Milbanks
Tracy ist die Tochter des Schuldirektors der Warfield Academy und eine notwendige Quotenfrau, die solch ein „Team“ ja unbedingt braucht. Zwischen ihr und Bond Jr gibt es ab und an mal ein paar amouröse Andeutungen.

Phoebe Farragut
Phoebe Farragut
Das zweite Mädel im Team. Ihr Papa finanziert quasi die Abenteuer von James Bond Jr. Außerdem steht sie auf den nervigen US-Boy, der allerdings nichts  von dem hässlichen Entlein will.





Trevor Noseworthy IV
Trevor Noseworthy IV
Er ist der arrogante und ungeliebte Mitschüler von James Jr, welcher diesem auch gerne nonstop ans Bein pissen würde, wäre er nicht zu trottelig dafür.








Zusätzlich gibt es an der Warfield Academy natürlich noch den Lehrer Coach Mitchell und den Direktor Mr. Milbanks.


Die Bösen (S.C.U.M. = Saboteurs and Criminals United in Mayhem )

Scumlord
Scumlord
Der Anführer von S.C.U.M. ist gesichtslos und das Böse in Person, was er gelegentlich mit „Böser-Anführer“-Sprüchen und einem diabolischen Lachen untermalt. Außerdem hat er einen Hund namens Scuzzball, der an seiner Seite sitzt.



Dr. DeRangeDr. DeRange
Der geniale und total wahnsinnige Wissenschaftler ist der häufigste Gegenspieler von James Jr in dieser Serie. Neben seinem starken Willen Bond Jr auszuschalten, zeichnet  ihn ein - für einen Bösen extrem wichtiger - starker französischer Akzent aus.



Goldie Finger
Goldie Finger
Ist, wie kann es auch anders sein, die Tochter von Goldfinger und ebenso gierig nach Gold.






Baron Von SkarinBaron Von Skarin
Ein absolutes Highlight der Serie, denn bei ihm handelt es sich um einen superreichen Baron aus Bayern, der als internationaler Terrorist und Waffenschmuggler agiert.




Captain Walker D. Plank
Captain Walker D. Plank
Ist mit seiner Augenklappe und seiner Hakenhand nahezu das Klischee eines Piratenkapitäns. Seine Verbrechen haben zumeist  mit Plünderungen und dergleichen zu tun und spielen sich – wie kann es anders sein – auf See ab. 



Chamäleon
Chamäleon 
Ein kriminelles Genie, das seinem Namen gerecht wird und das Aussehen von jeder Person annehmen kann. Dies kann er mithilfe von Nanosonden, die unter seiner Haut transplantiert sind.




Goldfinger
Dr. NoTeil der ersten Garde des S.C.U.M.-Lords sind außerdem noch Goldfinger und Dr. No, welche wohl keiner weiteren Vorstellung bedürfen.
Barbella 

 

Außerdem gehört zu S.C.U.M. auch noch eine Gruppe von obligatorischen Handlangern, auf welche ich im folgenden noch einmal eingehen möchte. Erwähnt werden sollte auf jeden Fall schon einmal Barbella, die unmenschliche Bodybuilderin, die alles und jeden hasst.



Wurm
Zusätzlich gibt es auch noch den Wurm, ein Typ, der sich aufgrund von Lichtscheuheit lieber im Untergrund bewegt und als einziger Schurke in keiner Verbindung zu S.C.U.M. steht.


 

Wie man Kinder zu Anti-Bond-Fans macht

Wo fange ich nur an? Diese Serie ist nicht nur ein Verbrechen am Bond-Franchise, sondern schlichtweg an der Kindheit aller, die mit dieser Serie aufgewachsen sind. Ich erinner mich noch gut daran, wie ich meine ersten Bonderfahrungen mit Roger Moore und Moonraker sammeln durfte. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich im Alter von 9 Jahren sofort ein glühender Bondfan gewesen wäre, aber eins ist klar - Bond fand ich von Anfang an gut. Und so entwickelte sich im Laufe der Jahre eine große Begeisterung, die mit jedem Film (ja, sogar auch bei Die Welt ist nicht genug ein wenig) anwuchs.
Als ich dann Mitte der 90er jedoch James Bond Jr. sah, war die Entäuschung so groß, dass ich - ganz pupertärer Jugendlicher, der ich war - die Serie sofort mit jeder Faser meines Bondfanseins zu hassen begann.
So furchtbar amerikanisch, wie diese Serie war, ging mit ihr jegliches Bondflair verloren. Die Gadgets erinnerten mich eher an eine Mischung aus Instpector Gadget und Action Man. Wobei ich diese beiden Serien jetzt natürlich nicht von vornerein verurteilen will, aber es hatte nun einmal so gar nichts mit James Bond und dem MI6 zu tun.
Man nimmt also an, dass es Kinder gibt, die mit dieser Serie aufgewachsen sind, ohne den wahren James Bond vorher einmal zu Gesicht bekommen zu haben. Diese Kinder sind schlichtweg verdorben. Sie halten James Bond für einen typischen amerikanischen Actionhelden und hassen diesen entweder von Anfang an oder sie sind verwirrt, dass 007 in echt viel cooler ist und verweigern sich der Aufnahme dieser fantastischen Filmreihe. Ein grauenhafter Gedanke!

Die Grausamkeiten des deutschen Übersetzungszwangs

Erinnert ihr euch daran, wie es früher im Kino war? Irgendjemand hatte damals beschlossen, dass Filme die über den großen Teich zu uns kamen unbedingt einen deutschen Titel haben mussten. Manchmal entstanden so die bescheurtsten Titelkonstruktionen überhaupt.
Ähnlich verhielt es sich damals bei Zeichentrickserien und deren Charaktere. Weil Englisch zwar gelernt wurde, aber die englische Sprache, im Gegensatz zu heute, bei weitem noch nicht so allgegenwärtig war, musste englische Namen entsprechend angepasst werden.
Besonders übel wurde hier zweien der bereits angesprochenen Handlangern von S.C.U.M. mitgespielt.  Zum einen wurde aus Nick-Nack - welchen nicht nur Hardcore-Bondfans aus dem Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" kennen - einfach einmal kurzerhand Wasserfloh gemacht! Wasserfloh? WTF?!?!
Nicht nur, dass es absolut lächerlich klingt, es entbehrt sogar jeglicher Logik. Floh, gut, das mag man bei der Größe ja noch einsehen, aber Wasser? Wo hat Nick-Nack denn bitte etwas mit Wasser zu tun? Oh, ich verstehe, "Der Mann mit dem goldenen Colt" spielt unter anderem auf einer Insel und die liegt ja bekanntermaßen im Meer, welches bekanntermaßen ja aus was besteht? Na? Na? Wer weiß es? Richtig! Wasser!
Da denkt man, schlimmer könnte es nicht mehr kommen. Aber weit gefehlt, frei nach dem Motto "Schlimmer geht immer" wurde gleich noch einer drauf gesetzt.
Jaws, ja richtig, der Charakter aus dem Bond-Universum, welcher ja bereits einen ins Deutsche übersetzen Namen hat - nämlich passenderweise Beißer - wurde einfach noch einmal neu benannt und zwar in - und nun haltet euch fest - KUSSMUND!!! Holy Shit! Wieso... ich meine... WIESO??? Da fällt selbst mir absolut nichts mehr zu ein... oh, doch, wartet: IHR ARSCHGEIGEN!!! Ich wünschte, Beißer würden denjenigen, der das entschieden hat mal ordenlich "küssen"!

Ein notwendiges Zugeständnis an die Serie

Wenn ich jetzt im Nachhinein die Serie noch einmal betrachte, was ich in Vorbereitung auf diesen Beitrag natürlich zu genüge getan habe, muss ich der Serie doch einige Highlights eingestehen, welche aber eigentlich ausschließlich von den S.C.U.M.-Bösewichten ausgeht. Denn während die Helden der Serie aufgrund ihres Stereotyps einfach nur langweilig sind, sind die Schurken derart überspitzt dargestellt, dass sie ein wahrer Quell der Freude sein können. Allein der superreiche bayrische Baron Von Skarin hat mir das eine oder andere Schmunzeln auf das Gesicht gezaubert.

Außerdem gebe ich zu, dass der Titelsong recht catchy ist, wie ihr hier selber hören könnt:


 

Fazit

James Bond Jr. ist langweiliger Einheitsbrei, der Kindern nichts, aber auch garnichts gibt. Die Serie ist beliebig, austauschbar und eines Agenten im Auftrag ihrer Majestät nicht würdig. Von den eingebauten logischen Grausamkeiten und den neuen Namen will ich gar nicht mehr sprechen.

Bewertung

3 von 10 Lizenzen zum Langweilen


PS: Wer im Gegensatz zu mir, den Schrott gerne guckden möchte, findet auf Youtube diverse Folgen


~Trash Bronson~

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